— La Précieuse Suite —
Thienemann 1314–1317 (!!)
in ihrem bislang einzigen
hier nachweisbaren Exemplar
als der zweitfrühesten Jagdfolge
Ridinger, Johann Elias (Ulm 1698 – Augsburg 1767). Jagd auf Wildenten, Füchse, Dachse und Wölfe. Folge von 4 Blatt in Kupferstich von Andreas Hofer in Nürnberg (20er/30er Jahre des 18. Jhdts.) für Martin Engelbrecht in Augsburg. Bezeichnet: 1(-4) / Ioh. Elias Ridinger inv. et del. / Andreas Hofer fecit / Cum Priv. Sac. Cæs. Maj. / Martin Engelbrecht excud. (Bl. 2 excudit) Aug. Vind., ansonsten paralleler dt.-latein. Untertext wie folgend. 22,8-23,5 x 32-32,5 cm. Unter rahmungsgerechten säurefreien Schträgschnitt-Passepartouts in

Bordeauxroter Maroquin-Kassette
(45 x 56,5 x 3 cm) mit 4 imit. Bünden, 2 dunkelgrünen goldgeprägten Rückenschildern, goldgepr. 2teil. Titel auf Vorderdeckel, goldgepr. verkleinerten Ridinger-Hirsch aus dem Abendblatt (Th. 240) der Vier Tageszeiten der Hirsche auf dem Rückdeckel, auf dessen unterer Innenkante zudem „ridinger handlung niemeyer“ und auf vorderem roten Innenspiegel, wie alles gleichfalls 23,5karätig, …
„ Ich will diese sehr seltenen Tafeln

näher beschreiben ,
welche ich nur in Heinecken’s Ms. des Dictionaire des Artistes
(im Druck Leipzig 1778/90)
im Dresdener Kupferstichcabinet angezeigt finde
(aber nunmehr selbst besitze) “
(Thienemann, 1. Separat-Nachtrag, SS. 1 ff.)
Und, dort fortfahrend, „Sie besteht aus vier numerierten Blatt … , also der dort zuerst beschriebenen Folge … auch darin sehr ähnlich ,
und scheint eine Vervollständigung (von Th. 1-8) vorzustellen ,
da sie vier dort nicht abgebildete jagdbare Thiere enthält . “
Weder einzeln noch complett in den Pembroke + Marjoribank Folios (ca. 1770 bzw. 19. Jhdt. mit 716 bzw. mindestens ca. 650 Bll. des jeweils radierten/gestochenen Werkes). – Nicht unter den Ridingeriana der Von Behr’sche Bibliothek des Hauses Stellichte (erworben wohl zw. 1777 + 1779 bei den Ridingers selbst; mind. 416 Bll. des rad./gest. Werkes).
Und ebenso nicht bei Weigel, Kunstlager-Catalog, Abt. I-XXVIII (1838/57; mehr als 1000 R.-Bll. des rad./gest. Werkes) , Schles. R.-Slg. bei Boerner XXXIX (1885; „von grösster Reichhaltigkeit … [viele Seltenheiten]“) , Slg. Coppenrath (1889/90) , R.-Slg. bei Wawra (1890; neben 234 Zeichnungen 600 Graphiken) , Slg. Reich auf Biehla (1894; „Von allen [R.-Slgn.], welche seit langer Zeit [verhandelt wurden], kann sich keine in Bezug auf Vollständigkeit und Qualität auch nur annähernd mit der vorliegenden … messen … besonders die Seltenheiten und unbeschriebenen Blätter, welche in reicher Anzahl vertreten sind“; 1266 Blatt zuzgl. 470 Doubl. + 20 Zeichn.) , R.-Katalog Helbing (1900; 1554 Nrn.) , Slg. Horn (1903 als Ganzes von Baron Gutmann erworben; „Die von Thienemann und Stillfried beschriebenen Kupferstiche und Schabkunstblätter waren … mit geringen Ausnahmen fast vollzählig vertreten. Daneben … eine Reihe bisher unbeschriebener Blätter“) , Schwarz ( ! ! , Slg. von Gutmann, 1910 , mit 1606 [sic!] Blättern nahezu dem cpl. graph. Œuvre ! ! ) , Slg. Schwerdt (1928/35) , R.-Liste Rosenthal (1940; 444 Nrn.) , Slg. Gräflich Faber-Castell (1958; 106 Zeichnungen + 1160 Graphiken).
Und nicht einmal erwähnt auch nur bei Schott (! !) , Martin Engelbrecht und seine Nachfolger (nebst Katalog der Verlagswerke), 1924. Entsprechend denn auch schon nicht mehr im Engelbrecht’schen Verzeichnis der nach Übernahme des Ridinger-Verlages bevorstehenden Neuauflagen vom August 1824.
Die praktisch unikate Folge
und damit sammlerische Sensation
aus den frühen Jahren des noch nicht eigenen Arbeitens in Kupfer, von Thienemann zu Recht in Kontext gestellt zur von Georg Christoph Steudner (6) + hiesigem Andreas Hofer (2) um 1722 für gleichfalls Engelbrecht radierten besagten Folge Th. 1-8, „Grosser Herren Lust in allerhand Jagen“, der sie sowohl formatmäßig als auch in ihrer
beglückenden

jugendfrischen Leichtigkeit des Vortrags
entspricht, deren bereits gnadenlose Seltenheit
– „Von letzter Seltenheit“ , so L’Art Ancien 1939 gelegentlich des tadellosen 4blätt. Schwerdt-Torsos bei früher Baillie-Grohman, 5 zudem stark mängelbehaftete Blatt auch nur 1958 bei Gräflich Faber-Castell , 3 praktisch bestens erhaltene hierselbst in badische, bayerische und rheinische Sammlung verteilt –
sie aber absolut hinter sich läßt als hier in eben nur obigem Exemplar ,
also selbst nicht einmal
in auch nur einem einzigen zusätzlichen Einzelblatt ( sic!! ) nachweisbar ,
was die Annahme nahelegt ,
in hiesigem Exemplar
Thienemann’s unikatem eigenen zu begegnen !
Welch eine Provenienz dann !
Und in welch einem Exemplar !!
In makellos schöner herrlichster Druckqualität leuchtenden Hell-Dunkels !!!
Bei noch erkennbaren Schriftlinien und stellenweise leichtem Plattenschmutz , herrlicher Erhaltung und 2,5 - 4 cm Breitrandigkeit !
Das Papier mit nur schwer lesbarem Liniengeflecht, wie in Übereinstimmung mit der Literatur hier früher schon für Einzelblätter aus Th. 1-8 zu konstatieren gewesen :
„ Mit dem Fortschreiten der Handfertigkeit in der Herstellung der (Schöpf-)Formen aber nimmt die Veredlung des Geflechtes zu, es wird feiner und feiner. Die Papiere des achtzehnten und des frühen neunzehnten Jahrhunderts zeigen zuweilen ein so feines Rippgewebe, daß man es beim Hindurchsehen kaum mehr zu erkennen vermag “
(Renker, Das Buch vom Papier, 2. Aufl., S. 101).
Doch schon für ein Blatt um 1670 findet sich ein Hinweis auf dessen „fein strukturierte(s) Bütten“.
Blatt 1 mit einer Idee gleichmäßiger Alterstönung, Blatt 2 oben nur 2 cm breit, Blatt 3 mit einem Schmutzfleck in der linken weißen Oberrandecke und schwachem Stockfleckchen rechts außen im Schriftrand, wo sich auch eine mit bloßem Auge praktisch nicht erkennbare, noch in den Bildrand reichende restaurierte Rißläsur findet. Bei deren bestprofessioneller Behebung auch eine bei allen vier Blättern rückseits bemerkbare Mittelfaltenspur dergestalt geglättet wurde, daß sie bildseits nicht wahrnehmbar ist.
Gestochen von dem namentlich für Augsburger Verleger arbeitenden Nürnberger Andreas Hofer, für den Thieme-Becker Erwähnungen von 1736 + 1738 vermeldet, Nagler als viel zu spät „um 1780“, zu ergänzen nunmehr an Hand seiner hiesigen Ridinger um die frühen 20er. Gesicherter Engelbrecht’scher Zeitrahmen für die Folge wären die Jahre 1719-1739 als der Laufzeit des auf den Blättern ausgewiesenen kaiserlichen Privilegs (siehe Schott, a. a. O., S. 23). Aber schon zwischen 1724 + 1728 arbeitete Ridinger selbst in Kupfer (etwa die Folge Th. 797-802, und um 1728 erfolgte seine Verlagsgründung.
Die Verstöberte u. erhaschte Wildanten (sic!). / Excitatæ et oppressæ anates.

Die Enten stehn gleich auf , wan(n) sie was hören rauschen
Da Zu der schnellen Flucht gleich der Antvogel (nicht Autvogel, Th.) schreyt, / Drum muß man bey dem Fall in höchster Stille lauschen, / Und viele dan(n) Zugleich seyn Zu dem Schuß bereit.
Ad strepitum quemvis anates exsurgere cernes, / Undivagæque auras mare vocante secant; / Adrepas igitur tacitus subeasque paludes / Atque simul glande sonante petant.
„Ein sehr reiches Blatt.“ – 7köpfige Jagdgesellschaft, deren einer beritten ist, am malerischen Schloßteich einen schönen, teils auffliegenden Entenbesatz angehend. In der Luft fünf weitere Vogelschwärme.
Die verfolgte listige Füchse (nicht Fuchse, Th.). / Vi victa vulpium astutia.

Hier siehet man mit Lust die Füchse Seegel streichen
Es geht gewalt vor List, wo es also bestellt, / Hund hinden, vornen Nez, wo wollen sie entweichen? / Bald wird der Hüner=Dieb gehezet, bald geprellt.
Pro velo fugiens pandit vulpecula caudam, / Ast valet astutos vis superare dolos; / Ante plagæ, post terga canes latratibus instant, / Non locus effugu, raptor et est spolium.
Von vier Jagdknechten unterstützte berittene drei Jäger auf dem Höhepunkt des Geschehens in von Netzen unterteilter lichter Waldlandschaft.
Die Beissige und schlau erdappte Dachsen. / Callida mordaxque deprehensa melis.
So schlau und schlim(m) der Dachs, so wird er doch gefangen / Wan(n) der klein Spür Hund ihn hat vor das hohl gebracht; / Man paßt ihm auf den dienst mit Gablen u. mit Zangen / Drauf nach belieben ihm wird der Process gemacht.
Pellitur è scrobibus melis stimulante catello, / Egressum forceps furcaque firma manet, / Sternitur ad lubitu tunc acta per æquora campi / Bestia dente nocens, utilis ast adipe.
„Freie Landschaft mit Hügeln, Bäumen, Quelle …“, ausgefüllt von instruktiv reichem Geschehen. Zwei der geballten Jägerschaft zu Pferde.
Der glücklich erlegte rauberische Wolff. / Feliciter prostratus rapax Lupus.

So wird dem wilden Wolff , der so viel Schaf Zerrissen
Doch endlich auch sein rest nicht ohn gefehr (nicht gefahr, T.) ertheilt, / Da Gablen, Hund, Geschoß, Schwerd, Prügel dienen müssen, / Biß er ergrim(m)t im tod sich selbst sein Sterb-Lied heult.
Prædo rapax ovium latebris expulsus (nicht expulfus, Th.) anhelat, / Mortem ut effugiat, sed cadet ille tamen; / Glans feriet, vel furca tenet, gladiusve, canisve, / Aut ubulans (nicht ululans, T.) querno fuste sonante perit.
Action auf einer Waldlichtung, betrieben von 7köpfiger Jagdgesellschaft, deren zwei beritten sind.
Viermal instruktiv-reiches Jagdgeschehen ,
viermal sich mitteilende , wenngleich einseitige Lebensfülle ,
viermal malerische Landschaft ,
„immer bemerkenswerth“, doch niemals „etwas steif“, wie Thienemann diese „frühere(n), unvollkommene(n) Arbeiten“ benörgelt. Und hier denn in 50 Jahren erstmals nicht nur ein Blatt hieraus vorliegend, wie für Th. 1-8 besagtermaßen schon der Fall gewesen, nein, gleich der complette Satz , wie anders ja überdies nicht nachweisbar ! Kurz ,

als die Einladung zu einer Sammlungsbereicherung ohne Beispiel .
Adäquat präsentiert innerhalb der Roten Serie von lüder h. niemeyer als von höchster Güte .
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