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Das

Johann Elias Ridinger, Otter-Exemplar

mit  Buch  +  Druck-Platte

einer  der  „ berühmtesten  Serien  des  Künstlers “

( FAZ 14. 10. 1995 )

aus  der  auch  noch  der  „Blaue  Reiter“  Franz  Marc  schöpfte

Ridinger, Johann Elias. Abbildung Der Jagtbaren Thiere mit derselben angefügten Fährten und Spuhren, Wandel, Gänge, Absprünge, Wendungen, Widergängen, Flucht, und anderer Zeichen mehr … nach der Natur gezeichnet, samt Einer Erklärung darüber. Augsburg, Selbstvlg., (1738-)1740. Gr.-2°. 2 unnum. Bll. Titel, Vorwort und Beschreibung. Mit bildlich ausgeführter gestochener

Piqueur-Leithund-Titelvignette

(15,3 x 23,4 cm) und, in Mischtechnik mit Kupferstich,

23  Radierungen

(ca. 37-37,5 x 29-30 cm).

Rubinroter  Maroquin-Band

mit 4 Zierbünden, Vorsätzen des zeitgenöss. Ursprungseinbandes sowie dessen hs. Titelschild auf dem vorderen Innenspiegel, 2 dunkelgrünen goldgeprägten Rückenschildern, goldgepr. 2teil. Titel auf Vorder- und Ridinger-Hirsch-Vignette auf Rückdeckel, Goldfilete auf beiden sowie im Innern des Vorderdeckels unten ridinger handlung niemeyer, alles 23,5karätig,

in  gleichartiger  Kassette

nebst  der

hier weit über Thieme-Becker (Bd. XXVIII, 1933, S. 308) + Thienemann (1856), S. XXIII, hinaus bis direkt in den Ridinger-Nachlaß selbst recherchierten

originalen  Druck-Platte

zu Blatt 16

„ Spuhr einer Fisch=Otter “

im Gegensinn (38,1 x 30,1 cm) als unter Polykarbonatglas (alterungs- + UV-beständiger als Plexiglas, aber ebenso kratzempfindlich, so denn auch ein kleiner Kratzer unten rechts) auf den Vorderdeckel eingelegtem, herausnehmbarem Außen-Solitär, bezeichnet

„ 16. / Joh. El. Ridinger inv. del. sc. et exc. Aug. Vind. “

Darunter die goldgeprägte

Unikat-Kennung

Johann Elias Ridinger, Otter-Exemplar

– Otter-Exemplar –

(Buchbinderei M. Hierl Bonn).

Und solchermaßen verfeinertem Sammler-Brauch folgend, „ schönwissenschaftliche Werke aus ästhetischen Gründen mit Beigaben, die sich auf die Person des Verfassers bezogen

und  eigenen  Liebhaberwert  hatten ,

Handschriften des Verfassers , Handzeichnungen ( , die verschiedenen Abzugszustände ) und dergleichen zu vermehren und zu illustrieren … um die Entstehung zu dokumentieren“. Es war die Geburtsstunde des

exemplaire enrichi

seitens französischer Sammler des 19. Jahrhunderts als sprichwörtlicher Eigengruppe der Extraausstattung mit u. a. britischen Wurzeln im 17. Jahrhundert (Nicholas Ferrar) und der 2. Hälfte des 18. (James Granger) und starkem Anklang in Amerika (enriched book, 19. Jhdt.). Kurz, per getrüffeltem Buch

„ die  Ausschmückung  eines  wertvollen  bibliophilen  Druckes

durch eigene Hinzufügung von ergänzenden Beilagen. Das Exemplar wie die Beilagen sollen

an  innerem  Wert  wie  in  der  äußeren  Form

erstklassig  bibliophil  sein .

Der Besitzer will sein Buch durch die … Beilagen  vor  allen  anderen  Exemplaren  hervorheben ,

zum  Sammlerstück , zum  Unikum  machen …

Mit Maß betrieben, hat jede dieser Arten der Vervollständigung des Druckes ihren hohen Wert für die künftige Forschung “

(Hans Bohatta in Löffler-Kirchner, Lexikon des gesamten Buchwesens, I [1935], 511 f.).

Und so war es für die ridinger handlung gar keine Frage, dieses zeitgenössische Sammler-Exemplar zusätzlich zu seinem nunmehr erst adäquaten Einband mit einem solchen i-Punkt zu krönen. Und so nahm sie , was sie hatte . Und das war nicht mehr oder weniger , es war schlichtweg alles , ein non plus ultra ,

eine  originale  Druck-Platte !!

Literatur :

Thienemann + Schwarz (Farbtaf. I, X) 162-185; Weigel XXVIII, 15, A (von A-C); Schwerdt III, 137; Thiébaud 783; Ridinger-Katalog Kielce, 1997, 58-75 m. 5 Abb.; Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, III.20-III.30 mit 11 Abb.; Helbing XXXIV, Arbeiten von J. E. und M. E. Ridinger (1900), 325 („Eine der bedeutendsten Sammlungen des Künstlers.“).

Die  Erstausgabe  des  endgültigen  Zustands

mit  der  gestochenen  Numerierung

oben rechts und den weiteren Merkmalen als da sind der in Rot und Schwarz gedruckte Titel, die, konform zu den vorhergehenden Tafeln, von ganzer Platte gedruckten drei letzten, die längeren Kommastriche nach „Fleiß“, „gezeichnet“ und „Ridinger“, die Form der begrenzenden fleuralen Ornamentik der Doppellinie unterhalb der Vignette sowie die Größe des Satzspiegels (36,5 cm in der Höhe, 23,9 cm für die 5. Schriftzeile als der längsten, 23,5 cm für die Doppellinie).

In der zweiten Ausgabe (Weigel B, Helbing 328) ist der Titel einheitlich in Schwarz gedruckt worden, so auch Th. Seite 294. Dazwischen dann jener Zustand mit dem Titel in Rot + Schwarz, aber den Kupfern 21-23 im Druck von zwei Platten unter Fortfall je einer Trennlinie (Exemplare Schwarz/von Gutmann + Schwerdt).

Zeitlich vorerst nicht einordbar das Titelblatt von Ridinger’s Hand-Exemplar mit seinem höheren Satzspiegel (37,8 cm), den einheitlich kürzeren Kommastrichen und einem abweichenden Ornamentabschluß der roten Doppellinie. Die Zeilenabstände zudem gleichmäßig ausgewogener, was nicht allein dem höheren Satzspiegel geschuldet ist, vielmehr namentlich auch einem sorgfältigeren Einpassen des zweiten Druckdurchgangs. Insofern bedingt auch hiesiges Exemplar den interessanten Blick über die Schulter des Druckers in die Arbeitsabläufe gewährt.

Die noch unnumerierten Probedrucke hingegen ordnen sich in solche ohne jede Nummer (Helbing 354 + 356) und jenen mit deren handschriftlicher Hinzufügung (Helbing 359, 362, 364, 366, 369 + 374), die in den hier in Händen gehaltenen Beispielen von Ridinger selbst stammte (siehe Heft 18 der hiesigen Ridinger-Schriftenreihe).

Letzteren noch vor schließlich gehen solche vor aller Schrift (bayer. Privatsammlung als noch nicht definitiv ausgearbeiteter Ätzdruck zu Th. 171) und fehlerhaft bezeichnete (hierselbst für Th. 175 + 179, siehe vorgenannte Quelle, wobei Th. 175 neben dem beschriebenen berichtigten Zustand nachträglich auch noch, gleich Th. 179, im fehlerhaft verbliebenen früheren belegt werden konnte).

Den oben als 1. + 2. Ausgabe differenzierten Zuständen des Titels geht jener mit dem größeren Satzspiegel (38, 24, 24,2 cm) und dem abweichenden fleuralen Abschluß der roten Doppellinie voran, wie hier bislang allein für das in der Schriftenreihe als vermutetes Hand-Exemplar Ridinger’s beschriebene.

Daß der Folge von Ridinger ursprünglich ein umfassenderer Text zugedacht war, ergibt Helbing’s Position 1408, ein Probedruck-, recte Makulatur-Exemplar der Paradies-Folge mit rückseitigen Textdrucken zu den Jagtbaren Thieren auf 9 der Blätter, bezeichnet mit „Joh. Elias Ridinger, Augspurg A. C. 1738“.

Hier nun denn

die  instruktiv + optisch  großartige  Suite

in ihrer frühen Druckqualität auf 48,5 x 34,3 cm großem festen Bütten, sprich breiten Ober- + Unter- und schmaleren Seitenrändern, wie nahezu bestens. Mit 50-51 x 36-42,5 cm sichtbar breiter waren die Exemplare Schwerdt und ein hier früher durchgelaufenes, deren von jeweils zwei Platten gedruckte Tafeln 21-23 indes besagten späteren Zwischenzustand offenlegen. – Titel + Kupfer durchweg etwas altersspurig, doch gesamthaft sehr schön.

Die Platten-Signatur durchweg einheitlich in verschiedenen Varianten als J(ohann) E(lias) Ridinger inv(enit) del(ineavit) sc(ulpsit) et exc(udit) A(ugusta) V(indelicorum), bei den Tafeln 21-23 unter Fortfall des invenit.

Die Kupfer 1-20 in ihren oberen nahezu Dreivierteln die Tiere in typischer Stellung inmitten ihrer großartigen Umwelt zeigend, darunter als praxisbezogen einzigartig die mit Kurzbeschreibung und Buchstabenschlüssel versehenen

Spuren  in  Originalgröße ,

nämlich für Bär – HirschTier – Schwein – Dam-Hirsch – Wolf – Rehbock – Luchs – SteinbockGemsHase – Fuchs – BiberOtter – Dachs – KuderMarder + WieselIltis + Eichhörnchen , während die von Löwe und Tiger (recte „vielleicht ein Jaguar“, Th.) als „in unseren Wäldern nicht zu finden“ verjüngt sind.

Die Kupfer 21-23 bieten nach moderner Summary-Art die Fährten und Spuren verkleinert nochmals als Übersicht. Somit

thematisch + künstlerisch  generell  bereits  unverzichtbar ,

Johann Elias Ridinger, Otter-Exemplar

doch  in  Gemeinschaft  mit  der  originalen  Platte

ein  faszinierend  weltweites  Unikat

für elitäre Plazierung.

Daß  sie  vom  Meister  eigenhändig  allein  gearbeitet  ist ,

sei  eigens  erwähnt , wie denn auch per obiger Signatur dokumentiert. Im übrigen mittels feinen Lackauftrags vor Anlaufen geschützt, ist die Platte im Rahmen ihres altersmäßigen Gebrauchs generell noch druckfähig, gleichwohl wird für ihre schlußendliche Druckqualität keine Gewähr geleistet.

Thematisch darüberhinaus

mit  zudem  einem  bislang  übersehenen  weiteren  i-Punkt .

Denn keinem Geringeren als dem

„ Blauen  Reiter “ Franz  Marc

diente das Marder-Wiesel-Blatt gemeinsam mit zwei weiteren Ridinger-Kupfern als Inspiration für sein malerisches „Spielende Wiesel“ von 1911, Hoberg-Jansen 144 nebst Abbildung.

Als solchermaßen mit Ridinger als Quelle bekannt bislang nur Marc’s Holzschnitt „Reitschule nach Ridinger“ von 1913 (Lankheit 839) als Ausschnitt-Interpretation der Hintergrundfigur des aufsitzenden Reiters des dritten Blattes (Th. 608) der 1722er Reitschule, seitens der Literatur kommentiert mit

„ Aufschlussreich , dass Marc bei seiner sehr vertrauten Kenntnis der Kunstgeschichte

sich gerade diesen Meistern der Pferdedarstellung (Delacroix und Ridinger)

des 19. beziehungsweise 18. Jahrhunderts als Vorbildern zuwendet “

(Christian von Holst, Franz Marc – Pferde, 2003, SS. 166 ff. innert ‚… der Hufschlag meiner Pferde‘).

Doch bereits sein Öl der „Spielende(n) Wiesel“ von 1911, dem die gleichnamige Lithographie aus 1909/10 voranging, verrät die Kenntnis gleich mehrerer Ridinger-Kupfer aus durchaus verschiedenen Folgen. Marc zeigt zwei Wiesel, von denen das aufgebaumte eine, über einen Ast gebeugt, zu dem in aufgerichteter Pose auf der Erde sitzenden herunterschaut. Dabei das Baumwerk von einer Exzentrik, deren er sich in dieser vordergründigen Dichte im malerischen Œuvre nur noch auf den beiden „Akte(n) unter Bäumen“, H.-J. 143, gleichen Jahres bedient. Für die thematische Initialzündung steht Ridinger’s kleinformatiges Blatt „Die Wiesel“ (Th. 479) von 1740 als Blatt 89 der Folge Entwurf einiger Thiere. Auch hier deren spielende zwei, doch beide auf der Erde und in einem in keiner Weise heranziehbaren Umfeld. Letzteres splittete Marc auf. Und holte sich die Pose der beiden Tiere aus dem 86. Blatt der Folge, den beiden Baum-Mardern Th. 476 (zusätzlich hier verfügbar in schönem späteren Kolorit und im Pendant mit den beiden Steinmardern Th. 475). Deren junger über einem Ast gleich niedriger Höhe wie bei Marc hängt und auf die auf den Hinterpratzen am Baumstamm stehende Mutter schaut, die mit einem erbeuteten Vogel lockt. Dieselbe Situation zeigt „Spilende Eichörnlein“ als Blatt 88 (Th. 478), nur mit dem Unterschied eines weiteren aufgebaumten, doch am Spiel unbeteiligten Tieres. Den auch für Ridinger eher selteneren bizarren Baumwuchs – und als solchen bezeichnet ihn auch ausdrücklich Sälzle in seiner 1980er Edition der Vorzeichnungen anstehender Folge – aber übernahm er vom hiesigen Blatte der „Spuhr eines Marders / Spuhr von der Wiesel“ (Th. 181, hier auch separat aufliegend) bei gleicher Pose des aufgebaumten Marders mit dem indes neutral gezeigten Wiesel auf der Erde.

So konzipierte Marc seine „Spielende(n) Wiesel“ also ebenso an Hand mehrerer Ridinger-Vorlagen, wie letzterer seinerseits seine Watteau’sche „Ergözung der Schäfer“, Th.-Stillfried 1397, aus vier Vorbildern des Franzosen komponierte. Daß Marc schließlich auch der typischere Ridinger’sche Baumschlag nicht fremd war, zeigt die rechte Baumgruppe seines malerischen Waldinneren „Die Würm bei Pipping“ aus 1902/03, H.-J. 15 nebst Abbildung. Aber auch die Par force Szenerie auf dem Aquarell „Schloss Ried“ von 1914 – Holst, Abb. 11, S. 29 – steht für ein weiteres Beispiel der Beschäftigung Marc’s mit Ridinger,

die  in  dieser  Pluralität  bislang  übersehen  worden  ist .

Und solchermaßen das mit originaler Druck-Platte getrüffelte

Otter-Exemplar

inhaltlich durch

künstlerischen  Brückenschlag  von  18.  zum  20.  Jahrhundert

um  eine  zusätzliche  Breitseite  bereichert .

Angebots-Nr. 15.273  /  Preis auf Anfrage

Die Rote Serie - eine creation von lüder h. niemeyer Die Rote Serie - eine creation von lüder h. niemeyer