Der Hof Ludwigs XIV.
in seiner Spätzeit nach Le Brun
in rotem Maroquin
Saint-Simon – Weigand, Wilhelm (Hrsg.). Der Hof Ludwigs XIV. Nach den Denkwürdigkeiten des Herzogs von Saint-Simon. 3., vermehrte Auflage. Lpz., Insel, 1925. Gr.-8° (26 x 18 cm). 526 SS., 1 Bl. Mit
17 Tafeln + Faltstammbaum .
Roter Orig.-Maroquin-Bd. im Design von E. R. Weiß mit von zwei Bourbonen-Lilien begleitetem stilisierten L unter Krone als Vorderdeckel-Vignette, neben dem Titel-Rückenschildchen ohne die Krone 4fach und von Fileten + Bordüren eingefaßt wiederholt auf dem Rücken, Vorderdeckel-Filete, alles goldgeprägt, blaumarmor. Vorsatz + gelbem Lesebändchen. Gelbschmitt.
(Sarkowski 1388 VA.) – Im Einband der VORZUGSAUSGABE (100 Explre.) der Erstausgabe von 1913 und auf Maschinen-Bütten, ist der Status hiesigen Exemplars wohl gleichfalls ein solcher und vorliegend denn auch in adäquat schönem Exemplar mit nur ganz minimaler Bestoßung dreier Deckelecken, der Stehkante des Rückendeckels und, etwas mehr, der des Rückens selbst.
Weigand (1863-1949), bewährter Insel-Autor und auch mit seinem 1928er Roman Die Fahrt zur Liebesinsel (Watteau’s Cythera, siehe auch Ridinger’s Cythera Dame) „dem galanten Frankreich des 18. Jahrhunderts (zuge)wandt“ (Martini), war solchermaßen die berufene Feder schlechthin, der neueren Zeit den großen Ludwig-Kritiker, ja, Hasser, Saint-Simon im Extrakt (SS. 229-526 in der Übertragung von Arthur Schurig) und per profundem Überblick Der Hof Ludwigs XIV. und die klassische Kultur der Franzosen (SS. 5-227) zu vermitteln.
„ Über den Schriftsteller Saint-Simon, als über den Meister eines besonderen Stils, herrscht keine Vielfältigkeit des Urteils, er galt von dem Augenblick an, da seine (monumentalen) Denkwürdigkeiten bekannt wurden, als ein Phänomen. Wenn man ihn mit den Meistern der klassischen Prosa seinerZeitz vergleicht, erscheint er ganz erstaunlich modern. Er schert sich den Teufel um akademische Regeln, sondern schöpft als Sprachmeister aus dem vollen … Als Massendarsteller einer ganzen Gesellschaft hat er, im Hinblick auf das Ganze, kaum seinesgleichen in der Weltliteratur … er schreibt mit seinen Nerven, nicht mit seinem Verstand … Die nachstehende … ganz beschränkte Auswahl … umfaßt … bloß die Zeit, da der Herzog in die Öffentlichkeit trat, bis zum Tode Ludwigs XIV. (1715) “
(Weigand 225 ff.).
Erlebt hat Louis de Rouvroy, Herzog von Saint-Simon (1675-1755) also nur die nicht mehr ungetrübte Spätzeit des Sonnenkönigs. Zeuge dessen Glanzzeit, Zeuge dessen, was mit Charles Le Brun als einem der hellsten Sterne das sprichwörtliche Grand Siècle ausmachte, war er mitnichten. Unverzichtbar ist er gleichwohl.
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