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Schilling, Beethoven-Album (Einbanddetail)

In  extravaganter  Bindung

mit  Herzogshut

Bonns  spektakuläres  Beethoven  jubilé

Beethoven – Schilling, G. (Hrsg.). BEETHOVEN-ALBUM. Ein Gedenkbuch dankbarer Liebe und Verehrung für den grossen Todten, gestiftet und beschrieben von einem Vereine von Künstlern und Kunstfreunden aus Frankreich, England, Italien, Deutschland, Holland, Schweden, Ungarn und Russland. Stgt., Hallberger’sche Verlagshandlung, nebst Paris, Bureau central de musique, London, Ewer & Co., Mailand, G. Ricordi, (1846). Kl.-4° (26 x 18,5 cm). 2 Bll. Titelei, XVI, 312 SS. Mit Porträt-Frontispiz in Stahlstich. Roter Samt-Bd. d. Zt. mit weißem Moiré-Spiegel/Vorsatz + reicher Rundum-Ornamentik musikalisch beschwingter Arabeske auf beiden Deckeln + Rücken nebst Herzogshut-Supralibros auf dem Vorderdeckel ,

alles  in  appliziertem  leuchtend  vergoldetem  Blech .

Goldschnitt.

Gustav Schilling, Beethoven-Album

Herzoglich  bayerisches  „begehrenswertes  Provenienzexemplar“

(Löffler-Kirchner) mit Bibliotheks-Nummer 3973 als unteres Rücken-Label. – Partiell schwach stockig, nur gelegentlich leicht störend mehr, darunter Titel und das von J. Niederbüll in Stuttgart gedruckte Porträt. Der extravagante Einband samtbedingt berieben und der Rücken verblichen. Goldschnitt wie Blechprägung und namentlich der erhabene Herzogshut (Krone) von ungebrochener Strahlkraft.

Äußeren Anlaß für anstehendes Album bildeten die Feiern zur vorjährigen Errichtung von Hähnel’s Beethoven-Denkmal in Bonn in Beisein des Königs von Preußen und der Königin von England vom 10. bis zum 12. August 1845. Seit 1835 geplant, verhinderte zu geringer Spendeneingang die Realisierung bis schließlich Franz Liszt (sein hiesiger Kompositionsbeitrag SS. 274/77) das hochrühmliche Errichtungs-Comité bis hin zu Bankier Mertens-Schafhausen beschämte und die Gesamtkosten garantierte. Jener zwangsläufig nur einen Erinnerungswert hinterlassenden dreitägigen Inaugurationsfeier sollte das Album bleibenden Bestand sichern. Und damit, so das Wollen des Verlegers Louis Hallberger und des dortigen Musikologen Gustav Schilling,

„ Beethoven  noch  ein  anderes  würdiges  Denkmal  zu  setzen ,

das , Jedem  zugänglich , auch  Jedem  stets  ein  sichtbares …

Zeichen … der  grossen  Liebe  und  Verehrung “

sein sollte. Die Künstlerschaft wurde zu Kurzbeiträgen aufgerufen. So bildet das Album zugleich ein Spiegelbild des Musiklebens seiner Zeit bei vielfach erstveröffentlichtem Inhalt. Angeführt als „Noch nie gedruckt; aufgefunden und mitgetheilt von A. Geissler, Cantor in Zschopau“

Wolfgang Amadeus Mozart, Die NaseWolfgang Amadeus Mozart, Die Nase

Mozart’s „Die Nase. Wiegenlied, seiner Gattin componirt“.

Nicht minder gewichtig die 3seitige Erinnerung der hinreißenden Schröder-Devrient, die bei Wiedererweckung des Fidelio als 17jährige die Leonore gesungen hatte und hier namentlich auch der letzten Probe gedenkt, deren persönliche Leitung der gehörlose Meister sich selbst ausbedungen hatte. Und letztbezüglich ihrerseits als Beteiligter bestätigt, was Ignaz von Seyfried berichtet hatte. Nämlich

„ Sollte nach seiner Meinung piano gespielt werden, so kroch er fast unter das Notenpult, und wollte er das Forte, so sprang er hoch empor mit den seltsamsten Gebärden, die wunderlichsten Laute ausstossend … “

Und zur Pemiere selbst:

„ und wirklich schien an jenem Abend ein gereifterer Geist über mich gekommen, denn es blitzten einige selbständig geniale Züge in meiner Darstellung auf, die Beethoven nicht entgangen seyn müssen, denn er kam selbst … den andern Tag, mir seinen Dank und seine Anerkennung zu bringen … Er hat es nicht mehr erlebt, dass sein Fidelio in Frankreichs und Albions Hauptstadt heimisch geworden, und dass seine kindlich schüchterne Leonore von 1823 (recte „3. November 1822, dem Namenstage der Kaiserin“) … beitragen konnte, auch im deutschen Vaterlande einem so mächtigen Werke die angemessene und volle Geltung zu verschaffen … “

Hierzu Kerst, Die Erinnerungen an Beethoven, II (1913) als zugleich das Aufführungsdatum richtigstellender Anmerkung Seite 39:

„ machte durch ihre Leonore in ‚Fidelio‘, die sie 1822 als Siebzehnjährige sang, die Oper populär. Ihre Erinnerungen daran werden gewöhnlich nach dem Buche von Cläre von Glümer zitiert, die die Aufzeichnungen der Schröder benutzte, oder nach dem darauf fußenden Buche von Alfred von Wolzogen.

Genauer  und  interessanter  ist  die  Erinnerung ,

die  von  der  Künstlerin  selbst

1846  in  dem  Beethoven-Album  von  Schilling … veröffentlicht  wurde

und  wenig  bekannt  ist … “

C. O. Sternau (S. 134 f.) sieht in seinem Toast auf die am Todestage Beethoven’s 1843 aus Dresden scheidende Diva übrigens das Vorbild zu Adelaide („Fidelio , Dir den einst sein Geist erschuf, Dir, Meisterin der Kunst, Adelaide! Sein Werk war Deiner Jugend Ideal, War Deines Ruhmes gold’ne Sternenkrone …“), indes der Hannoversche Hofmusiker Wallerstein (S. 28) in jener eine Försterstochter verewigt sieht.

Gustav Schilling, Beethoven-Album (Frontispiz)Gustav Schilling, Beethoven-Album (Titel)

Unter den 180 meist Noten-Beiträgen des weiteren Meyerbeer’s 7seit. Vertonung von Ferd. Braun’s Gedicht Der Wandrer und die Geister, an Beethovens Grabe, Spontini’s Romance traduite de Sapho, ein 2seitiger von Léon Kreutzer, Rodolphe’s (Kreutzer-Sonate) Neffen, die 2seitige Vocal-Messe Tobias Haslinger’s (Wien’s Musikalien Steiner & Co., Beethoven’s „Bester aller Tobiasse“) und gleichen Stalles Carl Haslinger’s 2seitige Hommage à Hector Berlioz als Skizze aus meiner neuesten Composition.

Nicht übersehbar schließlich die verschiedenen das Bonner Monument relativierenden Stimmen wie „… Immerhin aber sey das Beethoven-Denkmal in Bonn dem schlichten, unkundigen Wanderer ein Signal zur Aufmerksamkeit“ (der Feuilletonist Alster, S. 131). Oder seitens L. C. Beckmann, Amsterdam (S. 149):

„ Man hat für Dich ein Standbild aufgerichtet … Als fürcht‘ man, Deine Töne zu vergessen … Dann Ihr dem Meister höhere Ehr‘ erweist Als durch ein steinern Bildnis, denn, gesteht es, ‚In seinen Tönen wiederlebt sein Geist.‘ “

Anmerkenswert auch des Musikers Frhr. von Lannoy (S. 98) Verweis auf den politischen Beethoven gelegentlich der Rücknahme der Eroica-Widmung an Napoleon, der „zum Autocraten einschrumpfte und Europa wieder in Fesseln schlug, deren Geklirr noch nachhallt … Liberty for ever, ohne high church und high tories …“. Auch nicht übergangen E. von Heydebrand’s (preuss. Offizier a.D. in Oels, S. 228) schlichtes Bekenntnis

„ Tief in meiner Brust bewahre ich schweigend in hoher Bewunderung , wozu mir Wort und Feder nicht genügen! “

Im übrigen, gleich auch der kleinen 1845er Bonner Erinnerungsschrift,

von  größter  Marktseltenheit

unter Einschluß selbst Werner Wolffheim’s 1928/29 als

„ Die kostbarste Sammlung von Musikbüchern aller Art, die jemals auf dem Markte war … Der Ruf dieser berühmten Bibliothek und ihres Besitzers … der gemeinsam mit den Herren Professoren Hermann Springer und Max Schneider Eitners Quellenlexikon fortsetzte, ist auch außerhalb der Musikwissenschaft so fest gefügt, daß wir es uns ersparen dürfen, auf die einzelnen Kostbarkeiten in der Vorbemerkung besonders hinzuweisen. Ihre Aufzählung würde zudem einen besonderen Katalog vor dem eigentlichen Katalog erfordern “

zur Auflösung gelangten legendären Musikbibliothek, deren 2bändiger Katalog seinerseits zum Standardwerk wurde. Offenbar fanden freiwerdende Exemplare ihren Weg lemmingenhaft ins Bonner Beethovenhaus, wo derzeit sechs Exemplare versammelt sind. Bis hin zu Provenienzen wie Wegeler und Bodmer. Inwieweit indes unter jenen Stücken

Gustav Schilling, Beethoven-Album

ein  so  extravagant  gebundenes  leuchtet  wie  anstehendes

herzoglich-bayerischer  Provenienz

mag dahingestellt bleiben. Hinauslaufend also auf Jean-Louis Dumas-Hermès’ auf Intimität mit dem Exquisiten beruhenden Empfehlung

„ Nichts  auf  den  morgigen  Tag  verschieben . Man  soll  es  heute  tun … und  nicht  bis  zum  Ruhestand  warten . Dann  ist  nämlich

das  ganz  besondere  Stück ,

das  ich  gestern  beim  Antiquar  gesehen  habe  weg “.

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Die Rote Serie - eine creation von lüder h. niemeyer Die Rote Serie - eine creation von lüder h. niemeyer