Das Löwen–Exemplar
mit der Nr. 1
als das
HAND-EXEMPLAR DES MEISTER’S
Ridinger, Johann Elias. Abbildung Der Jagtbaren Thiere mit derselben angefügten Fährten und Spuhren, Wandel, Gänge, Absprünge, Wendungen, Widergängen, Flucht, und anderer Zeichen mehr … nach der Natur gezeichnet, samt Einer Erklärung darüber. Augsburg, Selbstvlg., (1737-)1740. Gr.-2°. 1 Bl. Titel. Mit bildlich ausgeführter gest. großer Suchjäger-Leithund-Titelvignette (15,3 x 23,4 cm) + , in Mischtechnik mit Kupferstich,
23 Radierungen
(ca. 37-37,5 x 29-30 cm) , davon Blatt 1-20 in
Probedrucken vor der Numerierung ,
die an gleicher Stelle in korrekter Abfolge nach hiesiger Überzeugung
handschriftlich vom Meister selbst in Bister
eingesetzt ist. Zusätzlich
mit zwei weiteren importanten Abweichungen .
Rubinroter Maroquin-Bd. mit 5 imit. Bünden, 2 dunkelgrünen goldgepr. Rückenschildern, goldgepr. 2teilig. Titel auf Vorder- + Ridinger-Hirschvignette auf Rückdeckel, Goldfilete auf beiden sowie rubinroten Elephantenhaut-Innenspiegeln + -Vorsätzen. In wüstenfarbener Maroquin-Kassette mit imit. Bünden mit der hier weit über Thieme-Becker (Bd. XXVIII, 1933, S. 308) + Thienemann (1856), S. XXIII, hinaus bis direkt in den Ridinger-Nachlaß selbst recherchierten
originalen Druck-Platte
zu Blatt EINS
« Spuhr des LÖWEN »
im Gegensinn (37,9 x 30,4 cm) als unter Polykarbonatglas (alterungs- + UV-beständiger als Plexiglas, aber ebenso kratzempfindlich) auf den Vorderdeckel eingelegtem, herausnehmbarem Außen-Solitär, bezeichnet
« 1. / J. E. Ridinger inv. del. sc. et exc. A. V. »
Darüber der Name des Meister’s, darunter die
Unikat-Kennung

– LÖWEN-EXEMPLAR –
und im Innern des Vorderdeckels unten ridinger handlung niemeyer, alles in 23,5karät. Goldprägung. (Buchbinderei M. Hierl Bonn, 67 x 45 x 5 cm.)
Thienemann (ohne Kenntnis von Abzügen vor der Numerierung) + Schwarz (Farbtafel I, X) 162-185; Weigel XXVIII, 15, vor A (von A-C); Helbing XXXIV (1900), Arbeiten von J. E und M. E. Ridinger, 325 ff.; Thiébaud 783, sämtlichs im endgültigen Zustand mit der gestochenen Nummer oben rechts; hingegen Helbing 354 + 356 ohne alle Numerierung + 359, 362, 364, 366, 369 + 374, jeweils qualifiziert als „Probedruck mit eingeschriebener statt eingestochener Nummer“; Schwerdt III, 137; Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, III.20-III.30 mit 11 Abbildungen.
Hiesige Blätter 1-20 also PROBEDRUCKE vor der Erstausgabe , die Blätter 21-23 mit den verkleinerten Fährten und Spuren im drucknumerierten endgültigen Zustand, davon Blatt 22 unter Fortfall einer Trennlinie von zwei Platten gedruckt, wie sowohl von Schwerdt’s als auch einem früheren hiesigen Exemplar für alle drei Tafeln bekannt und hiesigerseits für einen späteren Zwischenzustand angesehen. Gedruckt sämtlichs auf gegenüber dem Üblichen bemerkenswert feinem Papier und solchermaßen die dem Etat entsprechende
brillante Druckqualität leuchtenden Hell-Dunkels
noch unterstreichend.
Durchweg in verschiedenen Variationen mit J(ohann) E(lias) Ridinger inv(enit) del(ineavit) sc(ulpsit) et exc(udit) A(ugusta) V(indelicorum), Bll. 21-23 unter Wegfall des invenit, bezeichnet. – Titel in Rot und Schwarz.
Ohne das Textblatt, das „sich einzig mit den Fährten beschäftigt und allenfalls dem jungen Jäger noch neu und wichtig sein kann“ (Thienemann), der „Vorbericht“ auf der Titelrückseite infolge Montage abgedeckt. – Die Kupfer durchweg auf oder knapp an Plattenkante geschnitten und, mit Ausnahme des singulären Eingangs-Löwen, zu zweit gegenüberstehend, auf jeweils einmal auf ca. 63 x 42 cm gefaltete Whatman-Bögen mit Wasserzeichen „J. Whatman / Turkey Mill / 1832“ montiert, welch













großzügige Zweier-Arrangements eine ungewohnt komfortable Optik
ermöglicht.
Letzteres ganz in der Tradition des großen Vasari (1511-1574, „erster systematischer Sammler von Künstler-Zeichnungen“), der seine Zeichnungen, harmonisch arrangiert, auf Album-Papier großen Maßstabs montierte (National Gallery Washington 2006 gelegentlich der Ausstellung „Meisterzeichnungen aus sechs Jahrhunderten“ zur Feier des 15. Jahrestages der Übergabe der Woodner Collection).
Nach hiesiger Überzeugung
Ridinger’s Hand-Exemplar ,
mit großer Sicherheit unterstelltermaßen 1830 zusammen mit dem von der Literatur verbürgten zeichnerischen Nachlaß in die Hände J. A. G. Weigel’s in Leipzig gelangt. Eckstein dieser Überlegung ist das 1832er Whatman-Papier als Untersatzbogen.
Denn Papier wie Aufarbeitung korrespondieren mit einem hier durchgelaufenen Exemplar früher Druckqualität der Folge „Kämpfe reissender Thiere“ (Th. 716-723), wobei zeitliche Kongruenz – 1830 + 1832 – und Zustands- + Erhaltensmerkmale auf Weigel und über diesen hinaus auf den Nachlaß als Quelle verweisen. Offenbar hatte Weigel in Aufarbeitung des hereingekommenen unermeßlich reichen Bestandes zwecks verkaufsfördernder besserer Präsentation Beschnittenes auf Whatman montiert, ohne indes auch noch aufbinden zu lassen.
Vom Nachlaß aber führt die Spur, wie weiter unten ausführlich dokumentiert, unmittelbar
auf den Arbeitstisch des seine Kupfer
sorgsam nachbearbeitenden Meister’s selbst .
Denn die an sich schon auffällig korrekte, mit der späteren gestochenen übereinstimmende Numerierung stößt auf eine Parallele zu einem derzeit in herrlicher Druckqualität am Lager befindlichen Einzelblatt. Dieses – Blatt 19, Marder + Wiesel, Thienemann 181 – weist an gleicher Stelle die ebenfalls handschriftliche Numerierung „19“ auf. Die Gegenüberstellung beider „19“ läßt hinreichend deutlich die gleiche Hand erkennen und offenbart am Ende des vorgenommenen umfangreichen generellen Signaturenvergleichs Ridinger selbst als Schreiber. Der demnach bald nach Vorliegen der ersten Abzüge von den gerade vollendeten Platten die fehlende Numerierung als Manko erkannte und dieses bei den noch nicht ausgelieferten Exemplaren per Hand, für die Zukunft aber in der Platte, behob.
Das Zustandsmerkmal „vor“ der Numerierung außer von Helbing’s acht Einzelblättern, davon sechs mit handschriftlicher Numerierung, die er aber nicht – sofern den hiesigen entsprechend – mit Ridinger in Verbindung brachte, noch vereinzelt bekannt. So figurierte in unseren 70er bzw. 80er Jahren jeweils ein Exemplar – einmal ohne, einmal mit handschriftlicher Numerierung – im Handel, ersteres mit der Qualifizierung „Vermutlich Probedrucke, da
auch Thienemann keine Abzüge vor der Numerierung bekannt waren “.
Solche – weder vor der Numerierung noch gar vor aller Schrift, letzteres etwa beim Rehbock Th. 171 in bayer. Privatsammlung – sind auch Wend für sein „Ergänzendes Handbuch zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik“, in dem Ridinger breiten Raum einnimmt (Bd. I, 1, Lpz. 1975, SS. 300-376), nicht bekannt geworden.
Doch dieser für den engagierten Sammler von einer vom Künstler eigenhändig numerierten und zudem besonders wichtigen Suite ausgehende unwiderstehliche Reiz wird zusätzlich noch überhöht von
– wie bislang nirgends sonst nachweisbar –
zwei textlichen Abweichungen ,
die hier noch der jeweiligen Zeichnung folgen ,
in den späteren, drucknumerierten Exemplaren, wie von Schwarz beschrieben und auch hier präsent, indes in der Platte berichtigt bzw. geändert wurden.
Das erste Versehen – Blatt 13, Spuhr des Hasen, Thienemann 175 – folgt der wenig eindeutigen Betextung der Vorzeichnung in München – DJM 5186 – , auf der die Zeichen
„x“ + „#“ für weichen bzw. harten Boden stehen,

dann aber fehlerhaft den beiden fraglichen Spuren zugeordnet werden :
So denn auch im hiesigen Probedruck „Hinder“ Lauff auf hartem Boden statt richtig „Vorder“ Lauff … und bei der sich anschließenden Spur „Vorder“ Lauff statt „Hinder“ Lauff. Dieses Versehen so auch von Helbing 356 beschrieben.
Aber nur hier

wurde dieses Versehen durch gestochene Berichtigungsdeckblättchen
auf dünnem Papier geheilt .
Und das kann sowohl hinsichtlich der Schrift als auch ganz besonders der in gleicher Weise fortgeführten Untergrundschraffur
nur von Ridinger selbst
vorgenommen sein .
Denn wie Vergleich und Messungen zeigen ,

handelt es sich bei diesen Deckblättchen zudem eindeutig
um eigenständige Textstiche ,
die weder mit der späteren Berichtigung in der Platte noch mit einer Bezeichnung auf einem anderen Blatt der Folge in Deckung zu bringen sind und somit auch nicht etwa von anderer Hand zu späterem Zeitpunkt aus solchen herausgeschnitten sein können.
Im übrigen ohne die im endgültigen Zustand wieder auftauchenden beiden Sternchen zur Kennzeichnung des weichen Bodens.
Das zweite Versehen hier indes
auch dem Meister selbst noch entgangen
und bislang in der Literatur nicht beschrieben :

Auf Blatt 17, Spuhr vom Tachse, Th. 179, werden – wiederum der Münchner Zeichnung, DJM 5195, folgend – in hiesigem Zustandsdruck die beiden Spuren als
Hinder „Fus“ + Vorder „Fus“

bezeichnet. Im endgültigen Zustand dann ist
„Fus“ jeweils durch „Lauff“

ersetzt worden.
Helbing verzeichnet auch dieses Blatt im Probe- wie auch endgültigen Druck, erwähnt aber keine Schriftvariante.
Wie auch für die beiden erwähnten Exemplare jüngerer Zeit weder für Hase und Dachs noch für andere Blätter Schriftvarianten erwähnt wurden. Somit dürften also die Zustandsdrucke in sich nochmals differieren,
die hiesigen gehörten solchermaßen zu den allerfrühesten Etats .
Zeitlich vorerst nicht einordbar der Titel, der sowohl durch kleinere Kommata als auch einen anderen Ornamentabschluß der roten Doppellinie unterhalb der Vignette von dem Gutmann’schen wie auch einem hier jüngst durchgelaufenen Exemplar – beide mit drucknumerierten Kupfern – und dem eingangs der splendid gestalteten Facsimile-Edition der Münchner Folge der Vorzeichnungen wiedergegebenem Titelblatt abweicht. Zumindest gegenüber letzterem hiesiger zudem mit einem um 1,8 cm höheren Satzspiegel. Lassen die beiden ersteren auf Grund der Kupfer auch für hiesigen Titel einen frühen Zustand annehmen, erscheint dies durch den rückseitigen, hier besagtermaßen verdeckten, „Vorbericht“ ungesichert, da sowohl Überschrift wie auch Eingangsinitiale im Gegensatz zur Wiedergabe im Faksimile in Schwarz gedruckt sind. Thienemann kennt Titel „mit ganz schwarzer Schrift und nicht verzierten Initialen“ (S. 294), die Weigel unter B als zweite Abdrücke führt. Ob sich dieses auch auf den Vorbericht bezieht, muß hiesigerseits offengelassen werden.
In ihrer Bewertung stehen die vereinzelten Probedrucke der Jagtbaren Thiere weit vor den nicht so selten auf den Markt kommenden Exemplaren des endgültigen Zustands. So bot Helbing 1900 in seinem 1554 Nummern umfassenden Ridinger-Katalog jene acht Zustandsdrucke mit dem 3fachen des Preises für die endgültigen an. Und auch jenes Exemplar aus den 70ern wurde mit DM 30.000 doppelt so hoch benotet wie ein gleichzeitig angebotenes drucknumeriertes, beide breitrandig.
Der systematische Vergleich der Ziffern
hiesiger handschriftlicher Numerierung mit Datierungen namentlich der Zeichnungen zu hiesiger Folge als auch mit Daten und Zahlen auf anderen hier im Archiv verfügbaren Zeichnungen verschiedener Schaffensperioden Ridingers führt zu einem Nebeneinander ganz eindeutiger, stark eigentümlicher Zahlen, denen so nicht nachweisbare andere gegenüberstehen, wie in Heft 18 der schriften der ridinger handlung niemeyer im Detail dokumentiert.
Ganz nebenbei könnte dieser Vergleich dem graphologisch Interessierten geradezu zum Anlaß einer Charakteranalyse Ridinger’s dienen, wobei auch in Betracht zu ziehen wäre, daß bereits dem jungen Künstler in der großartigen 1723er Schlüssel-Zeichnung „Alexander der Große am Hyphasis“ die Vanitassymbolik berstender Säulen und gesplitterter Stämme gegenwärtig waren und die ihn schlußendlich kurz vor seinem Ableben zu dem von Thienemann XXI, 4 beschriebenem, nunmehr in Berlin verwahrtem Selbstbildnis mit Tod im Atelier führte (Katalog Darmstadt, Farbabb. 9).
Allein auf den Vergleich der Ziffern gestützt, ließe sich angesichts des einzelnen Zahlen gegenüber ganzen Wörtern oder gar Sätzen ermangelnden Gesamteindruckes für die Eigenhändigkeit noch eine Fehlerquote von etwa 30% unterstellen. Das Hinzutreten der weiteren Indizien – von der 19 hiesigen Einzelblattes hin zu den gestochenen Deckblättern – räumt dann jedoch diesen Restzweifel so überzeugend aus, daß hiesigerseits von einer
originär Ridinger’schen Numerierung
ausgegangen wird.
Die Kupfer 1-20 in ihren oberen nahezu Dreivierteln die Tiere in typischer Stellung inmitten ihrer großartigen Umwelt zeigend, darunter die
Spuren in Originalgröße ,
nämlich für Bär – Hirsch – Tier – Schwein – Dam-Hirsch – Wolf – Rehbock – Luchs – Steinbock – Gemse – Hase – Fuchs – Biber – Otter – Dachs – Kuder – Marder + Wiesel – Iltis + Eichhörnchen , während die von Löwe und Tiger (recte „vielleicht ein Jaguar“, Thienemann) als „in unseren Wäldern nicht zu finden“ verjüngt sind.
In Helbings Katalog (XXXIV, 1408) übrigens auch ein allseits wieder in Vergessenheit geratener Hinweis auf ein Zustands-, richtiger wohl Makulatur-Exemplar der Paradies-Folge, deren Rückseiten – wohl mit Ausnahme von drei Blatt – mit Text zu hiesiger Suite bedruckt waren, davon eine bezeichnet mit „Joh. Elias Ridinger, Augsburg A. C. 1738“. Die nur mit 1740er Titel bekannte Folge wäre demnach nicht nur als Lieferungswerk belegt, wie bei Ridinger überdies die Regel gewesen, sondern vor allem als ein von ausführlicherem Text begleitetes. Wenngleich wahrscheinlich, daß es diesbezüglich nie zu mehr als solchen, darum auch nur einseits bedruckten Druckproben gekommen ist, die dann für anderweitige Andrucke verwendet wurden, so überraschen im Ridinger’schen Œuvre immer wieder aufs neue Sammler wie Forscher faszinierende Unikate.
Zugleich stützt dies aber auch die schon vorgetragene Annahme, daß Ridinger nach Vollendung des Werkes den Mangel einer Numerierung als solchen erkannte, vielleicht, weil nunmehr die Buchbinder sich an Hand des nur einen Textblattes nicht zurechtfinden konnten oder wollten.
Wohl für eine bessere Präsentation bei Verwahrung in einer Mappe wurde der Whatman-Bogen für Titel und Kupfer 1 getrennt. Der Titel selbst komplett, wenn auch hart beschnitten und mit leichter Kratzspur (3,5 cm) in der Vignettenmitte sowie montageerledigtem Seiteneinriß von 4,5 cm und gleichmäßig, wie auch Blatt 23, schwach gebräunt. Der durch die Montage zugedeckte Rückseitentext in der Schlußzeile angeschnitten. Die prächtig breitrandigen Whatman-Bögen mit überwiegend nur kleinen Randausbesserungen, nur der letzte mit den Kupfern 22 + 23 stärker rissig. Sonst praktisch bestens und tadellos frisch.
Blatt 7 – Damhirsch – mit den Untertitel berührendem Druckfarbenfleck, Blatt 10 mit kleinem schwarzen Fleck unterhalb der Brust des Luchses. Im übrigen kaum Randstockfleckchen, aber mit noch leichtem Plattenschmutz beim Löwen, Blatt 1. Mithin also generell schon einmal
ungetrübt kostbar
und damit dem adäquaten Sammler das elitäre Stück welches, das der Sammlung aber erst in Gemeinschaft mit der
in wüstenfarbenen Grund
eingelassenen originalen Platte
ein beispielloses Unikat gewährt.
Daß diese vom Meister eigenhändig allein gearbeitet ist ,
sei eigens erwähnt, wie denn auch per obiger Signatur dokumentiert. Im übrigen mittels feinen Lackauftrags vor Anlaufen geschützt, ist die Platte im Rahmen ihres altersmäßigen Gebrauchs generell noch druckfähig, gleichwohl wird für ihre schlußendliche Druckqualität keine Gewähr geleistet.
Thematisch darüberhinaus
mit zudem einem bislang übersehenen weiteren i-Punkt .
Denn keinem Geringeren als dem
„ Blauen Reiter “ Franz Marc
diente das Marder-Wiesel-Blatt gemeinsam mit zwei weiteren Ridinger-Kupfern als Inspiration für sein malerisches „Spielende Wiesel“ von 1911, Hoberg-Janssen 144 nebst Abbildung.
Als solchermaßen mit Ridinger als Quelle bekannt bislang nur Marc’s Holzschnitt „Reitschule nach Ridinger“ von 1913 (Lankheit 839) als Auschnitt-Interpretation der Hintergrundfigur des aufsitzenden Reiters des dritten Blattes (Th. 608, siehe deren hiesige Vorzeichnung) der 1722er Reitschule, seitens der Literatur kommentiert mit
„ Aufschlussreich , dass Marc bei seiner sehr vertrauten Kenntnis der Kunstgeschichte
sich gerade diesen Meistern der Pferdedarstellung (Delacroix und Ridinger)
des 19. beziehungsweise 18. Jahrhunderts als Vorbildern zuwendet “
(Christian von Holst, Franz Marc – Pferde, 2003, SS. 166 ff. innert ‚… der Hufschlag meiner Pferde‘).
Sein Öl der „Spielende(n) Wiesel“, dem aus 1909/10 die gleichnamige Lithographie voranging, verrät die Kenntnis nun gleich mehrerer Ridinger-Kupfer aus durchaus verschiedenen Folgen. Marc zeigt zwei Wiesel, von denen das aufgebaumte eine, über einen Ast gebeugt, zu dem in aufgerichteter Pose auf der Erde sitzenden herunterschaut. Dabei das Baumwerk von einer Exzentrik, deren er sich in dieser vordergründigen Dichte im malerischen Œuvre nur noch auf den beiden „Akte(n) unter Bäumen“, H.-J. 143, gleichen Jahres bedient. Für die thematische Initialzündung steht Ridinger’s kleinformatiges Blatt „Die Wiesel“ (Th. 479) von 1740 als Blatt 89 der Folge „Entwurf einiger Thiere“. Auch hier deren spielende zwei, doch beide auf der Erde und in einem in keiner Weise heranziehbaren Umfeld. Letzteres splittete Marc auf. Und holte sich die Pose der beiden Tiere aus dem 86. Blatt der Folge, den beiden Baum-Mardern Th. 476 (hier per 7.332 sowie im Pendant mit den beiden Steinmardern Th. 475 per 15.007). Deren junger über einem Ast gleich niedriger Höhe wie bei Marc hängt und auf die auf den Hinterpratzen am Baumstamm stehende Mutter schaut, die mit einem erbeuteten Vogel lockt. Dieselbe Situation zeigt „Spilende Eichörnlein“ als Blatt 88 (Th. 478), nur mit dem Unterschied eines weiteren aufgebaumten, doch am Spiel unbeteiligten Tieres. Den auch für Ridinger eher selteneren bizarren Baumwuchs – und als solchen bezeichnet ihn auch ausdrücklich Sälzle in seiner 1980er Edition der Vorzeichnungen anstehender Folge – aber übernahm er vom hiesigen Blatte der „Spuhr eines Marders / Spuhr von der Wiesel“ bei gleicher Pose des aufgebaumten Marders mit dem indes neutral gezeigten Wiesel auf der Erde.
So konzipierte Marc seine „Spielende(n) Wiesel“ also ebenso an Hand mehrerer Ridinger-Vorlagen, wie letzterer seinerseits seine Watteau’sche „Ergözung der Schäfer“, Th.-Stillfried 1397, aus vier Vorbildern des Franzosen komponierte. Daß Marc schließlich auch der typischere Ridinger’sche Baumschlag nicht fremd war, zeigt die rechte Baumgruppe seines malerischen Waldinneren „Die Würm bei Pipping“ aus 1902/03, H.-J. 15 nebst Abbildung. Aber auch die Par force Szenerie auf dem Aquarell „Schloss Ried“ von 1914 – Holst, Abb. 11, S. 29 – steht für ein weiteres Beispiel der Beschäftigung Marc’s mit Ridinger,
die in dieser Pluralität bislang übersehen worden ist .
Résumé
Die mit spektakulären Neuentdeckungen aufwartende „Lehrbuch“-Suite als einer der „berühmtesten Serien des Künstlers“ (FAZ 14. 10. 1995) im

unikaten Hand-Exemplar des Meisters ,
zusätzlich getrüffelt mit dessen eigenhändiger
originaler Druck-Platte
zu Tafel 1 der Folge, dem Löwen in seiner Majestät. Und inhaltlich mit zusätzlicher Breitseite per
künstlerischem Brückenschlag von 18. zum 20. Jahrhundert .
Präsentiert dies alles denn adäquat als
bordeaux-roter Maroquin-Band

in wüstenfarbener Maroquin-Kassette ,
beides 23,5karätig goldgeprägt. Kurz , das weltweit unwiederholbare

Löwen–Exemplar
für elitärste Plazierung. Als ein provozierend unnahbar souveräner Blickfang, beneidet widerspiegelnd die Noblesse des Hauses.

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