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Das  Löwen–Exemplar

mit  der  Nr. 1

als  das 

HAND-EXEMPLAR  DES  MEISTER’S

Ridinger, Johann Elias. Abbildung Der Jagtbaren Thiere mit derselben angefügten Fährten und Spuhren, Wandel, Gänge, Absprünge, Wendungen, Widergängen, Flucht, und anderer Zeichen mehr … nach der Natur gezeichnet, samt Einer Erklärung darüber. Augsburg, Selbstvlg., (1737-)1740. Gr.-2°. 1 Bl. Titel. Mit bildlich ausgeführter gest. großer Suchjäger-Leithund-Titelvignette (15,3 x 23,4 cm) + , in Mischtechnik mit Kupferstich,

23  Radierungen

(ca. 37-37,5 x 29-30 cm) , davon Blatt 1-20 in

Probedrucken  vor  der  Numerierung ,

die an gleicher Stelle in korrekter Abfolge nach hiesiger Überzeugung

handschriftlich  vom  Meister  selbst  in  Bister

eingesetzt ist. Zusätzlich

mit  zwei  weiteren  importanten  Abweichungen .

Rubinroter Maroquin-Bd. mit 5 Zierbünden, 2 dunkelgrünen goldgepr. Rückenschildern, goldgepr. 2teilig. Titel auf Vorder- + Ridinger-Hirschvignette auf Rückdeckel, Goldfilete auf beiden sowie rubinroten Elephantenhaut-Innenspiegeln + -Vorsätzen. In wüstenfarbener Maroquin-Kassette mit Zierbünden mit der hier weit über Thieme-Becker (Bd. XXVIII, 1933, S. 308) + Thienemann (1856), S. XXIII, hinaus bis direkt in den Ridinger-Nachlaß selbst recherchierten

originalen  Druck-Platte

zu  Blatt  EINS

» Spuhr  des  LÖWEN «

im Gegensinn (37,9 x 30,4 cm) als unter Polykarbonatglas (alterungs- + UV-beständiger als Plexiglas, aber ebenso kratzempfindlich) auf den Vorderdeckel eingelegtem, herausnehmbarem Außen-Solitär, bezeichnet

» 1. / J. E. Ridinger inv. del. sc. et  exc. A. V. «

Darüber der Name des Meister’s, darunter die

Unikat-Kennung

Johann Elias Ridinger, Löwen-Exemplar

–  LÖWEN-EXEMPLAR  –

und im Innern des Vorderdeckels unten ridinger handlung niemeyer, alles in 23,5karät. Goldprägung. (Buchbinderei M. Hierl Bonn, 67 x 45 x 5 cm.)

(Buchbinderei M. Hierl Bonn).

Und solchermaßen verfeinertem Sammler-Brauch folgend, „ schönwissenschaftliche Werke aus ästhetischen Gründen mit Beigaben, die sich auf die Person des Verfassers bezogen

und  eigenen  Liebhaberwert  hatten ,

Handschriften des Verfassers , Handzeichnungen ( , die verschiedenen Abzugszustände ) und dergleichen zu vermehren und zu illustrieren … um die Entstehung zu dokumentieren“. Es war die Geburtsstunde des

exemplaire enrichi

seitens französischer Sammler des 19. Jahrhunderts als sprichwörtlicher Eigengruppe der Extraausstattung mit u. a. britischen Wurzeln im 17. Jahrhundert (Nicholas Ferrar) und der 2. Hälfte des 18. (James Granger) und starkem Anklang in Amerika (enriched book, 19. Jhdt.). Kurz, per getrüffeltem Buch

„ die  Ausschmückung  eines  wertvollen  bibliophilen  Druckes

durch eigene Hinzufügung von ergänzenden Beilagen. Das Exemplar wie die Beilagen sollen

an  innerem  Wert  wie  in  der  äußeren  Form

erstklassig  bibliophil  sein .

Der Besitzer will sein Buch durch die … Beilagen  vor  allen  anderen  Exemplaren  hervorheben ,

zum  Sammlerstück , zum  Unikum  machen …

Mit Maß betrieben, hat jede dieser Arten der Vervollständigung des Druckes ihren hohen Wert für die künftige Forschung “

(Hans Bohatta in Löffler-Kirchner, Lexikon des gesamten Buchwesens, I [1935], 511 f.).

Und so war es für die ridinger handlung gar keine Frage, diesem dem Sammler als Arbeits-Exemplar des Meister’s ohnehin schon ganz einzigartigen Stück letzter Begierde nach Möglichkeit noch ihrerseits einen nun wirklich allerletzten i-Punkt aufzusetzen. Und so nahm sie, was sie hatte. Und das war nicht mehr oder weniger , es war schlichtweg alles , ein non plus ultra ,

eine  originale  Druck-Platte !!

Literatur :

Thienemann (ohne Kenntnis von Abzügen vor der Numerierung) + Schwarz (Farbtafel I, X) 162-185; Weigel XXVIII, 15,  vor  A (von A-C); Helbing XXXIV (1900), Arbeiten von J. E und M. E. Ridinger, 325 ff.; Thiébaud 783, sämtlichs im endgültigen Zustand mit der gestochenen Nummer oben rechts; hingegen Helbing 354 + 356 ohne alle Numerierung + 359, 362, 364, 366, 369 + 374, jeweils qualifiziert als „Probedruck mit eingeschriebener statt eingestochener Nummer“; Schwerdt III, 137; Ridinger-Katalog Darmstadt, 1999, III.20-III.30 mit 11 Abbildungen.

Hiesige Blätter 1-20  also  PROBEDRUCKE  vor  der  Erstausgabe , die Blätter 21-23 mit den verkleinerten Fährten und Spuren im drucknumerierten endgültigen Zustand, davon Blatt 22 unter Fortfall einer Trennlinie von zwei Platten gedruckt, wie sowohl von Schwerdt’s als auch einem früheren hiesigen Exemplar für alle drei Tafeln bekannt und hiesigerseits für einen späteren Zwischenzustand angesehen. Gedruckt sämtlichs auf gegenüber dem Üblichen bemerkenswert feinem Papier und solchermaßen die dem Etat entsprechende

brillante  Druckqualität  leuchtenden  Hell-Dunkels

noch unterstreichend.

Durchweg in verschiedenen Variationen mit J(ohann) E(lias) Ridinger inv(enit) del(ineavit) sc(ulpsit) et exc(udit) A(ugusta) V(indelicorum), Bll. 21-23 unter Wegfall des invenit, bezeichnet. – Titel in Rot und Schwarz.

Ohne das Textblatt, das „sich einzig mit den Fährten beschäftigt und allenfalls dem jungen Jäger noch neu und wichtig sein kann“ (Thienemann), der „Vorbericht“ auf der Titelrückseite infolge Montage abgedeckt. – Die Kupfer durchweg auf oder knapp an Plattenkante geschnitten und, mit Ausnahme des singulären Eingangs-Löwen, zu zweit gegenüberstehend, auf jeweils einmal auf ca. 63 x 42 cm gefaltete Whatman-Bögen mit Wasserzeichen „J. Whatman / Turkey Mill / 1832“ montiert, welch

Johann Elias Ridinger, Titel (Th. 162)Johann Elias Ridinger, Spuhr des Löwen (Th. 163)Johann Elias Ridinger, Spuren von Tiger + Bär (Th. 164 + 165)Johann Elias Ridinger, Spuren von Hirsch + Tier (Th. 166 + 167)Johann Elias Ridinger, Spuren von Schwein + Damhirsch (Th. 168 + 169)Johann Elias Ridinger, Spuren von Wolf + Rehbock (Th. 170 + 171)Johann Elias Ridinger, Spuren von Luchs + Steinbock (Th. 172 + 173)Johann Elias Ridinger, Spuren von Gemse + Hase (Th. 174 + 175)Johann Elias Ridinger, Spuren von Fuchs + Biber (Th. 176 + 177)Johann Elias Ridinger, Spuren von Otter + Dachs (Th. 178 + 179)Johann Elias Ridinger, Spuren von Wildkatze + Baummarder & Wiesel (Th. 180 + 181)Johann Elias Ridinger, Spuren von Iltis & Eichhörnchen + Spurentafel (Th. 182 + 183)Johann Elias Ridinger, Spurentafeln (Th. 184 + 185)

großzügige  Zweier-Arrangements  eine  ungewohnt  komfortable  Optik

ermöglicht.

Letzteres ganz in der Tradition des großen Vasari (1511-1574, „erster systematischer Sammler von Künstler-Zeichnungen“), der seine Zeichnungen, harmonisch arrangiert, auf Album-Papier großen Maßstabs montierte (National Gallery Washington 2006 gelegentlich der Ausstellung „Meisterzeichnungen aus sechs Jahrhunderten“ zur Feier des 15. Jahrestages der Übergabe der Woodner Collection).

Nach hiesiger Überzeugung

Ridinger’s  Hand-Exemplar ,

mit großer Sicherheit unterstelltermaßen 1830 zusammen mit dem von der Literatur verbürgten zeichnerischen Nachlaß in die Hände J. A. G. Weigel’s in Leipzig gelangt. Eckstein dieser Überlegung ist das 1832er Whatman-Papier als Untersatzbogen.

Denn Papier wie Aufarbeitung korrespondieren mit einem hier durchgelaufenen Exemplar früher Druckqualität der Folge „Kämpfe reissender Thiere“ (Th. 716-723), wobei zeitliche Kongruenz – 1830 + 1832 – und Zustands- + Erhaltensmerkmale auf Weigel und über diesen hinaus auf den Nachlaß als Quelle verweisen. Offenbar hatte Weigel in Aufarbeitung des hereingekommenen unermeßlich reichen Bestandes zwecks verkaufsfördernder besserer Präsentation Beschnittenes auf Whatman montiert, ohne indes auch noch aufbinden zu lassen.

Vom Nachlaß aber führt die Spur, wie weiter unten ausführlich dokumentiert, unmittelbar

auf  den  Arbeitstisch  des  seine  Kupfer

sorgsam  nachbearbeitenden  Meister’s  selbst .

Denn die an sich schon auffällig korrekte, mit der späteren gestochenen übereinstimmende Numerierung stößt auf eine Parallele zu einem hier in herrlicher Druckqualität durchgelaufenen Blatt 19, Marder + Wiesel, Th. 181, welches an gleicher Stelle die ebenfalls handschriftliche Numerierung „19“ aufwies. Die Gegenüberstellung beider „19“ ließ hinreichend deutlich die gleiche Hand erkennen und offenbarte am Ende des vorgenommenen umfangreichen generellen Signaturenvergleichs Ridinger selbst als Schreiber. Der demnach bald nach Vorliegen der ersten Abzüge von den gerade vollendeten Platten die fehlende Numerierung als Manko erkannte und dieses bei den noch nicht ausgelieferten Exemplaren per Hand, für die Zukunft aber in der Platte, behob.

Das Zustandsmerkmal „vor“ der Numerierung außer von Helbing’s acht Einzelblättern, davon sechs mit handschriftlicher Numerierung, die er aber nicht – sofern den hiesigen entsprechend – mit Ridinger in Verbindung brachte, noch vereinzelt bekannt. So figurierte in unseren 70er bzw. 80er Jahren jeweils ein Exemplar – einmal ohne, einmal mit handschriftlicher Numerierung – im Handel, ersteres mit der Qualifizierung „Vermutlich Probedrucke, da

auch  Thienemann  keine  Abzüge  vor  der  Numerierung  bekannt  waren “.

Solche – weder vor der Numerierung noch gar vor aller Schrift, letzteres etwa beim Rehbock Th. 171 in bayer. Privatsammlung – sind auch Wend für sein „Ergänzendes Handbuch zu den Œuvreverzeichnissen der Druckgrafik“, in dem Ridinger breiten Raum einnimmt (Bd. I, 1, Lpz. 1975, SS. 300-376), nicht bekannt geworden.

Doch dieser für den engagierten Sammler von einer vom Künstler eigenhändig numerierten und zudem besonders wichtigen Suite ausgehende unwiderstehliche Reiz wird zusätzlich noch überhöht von

–  wie  bislang  nirgends  sonst  nachweisbar  –

zwei  textlichen  Abweichungen ,

die  hier  noch  der  jeweiligen  Zeichnung  folgen ,

in den späteren, drucknumerierten Exemplaren, wie von Schwarz beschrieben und auch hier präsent, indes in der Platte berichtigt bzw. geändert wurden.

Das  erste  Versehen – Blatt 13, Spuhr des Hasen, Thienemann 175 – folgt der wenig eindeutigen Betextung der Vorzeichnung in München – DJM 5186 – , auf der die Zeichen

„x“ + „#“ für weichen bzw. harten  Boden  stehen,

Johann Elias Ridinger, Spuhr eines Hasen (Vorzeichnung)

dann aber fehlerhaft den beiden fraglichen  Spuren  zugeordnet werden :

So denn auch im hiesigen Probedruck „Hinder“ Lauff auf hartem Boden statt richtig „Vorder“ Lauff … und bei der sich anschließenden Spur „Vorder“ Lauff statt „Hinder“ Lauff. Dieses Versehen so auch von Helbing 356 beschrieben.

Aber  nur  hier

Johann Elias Ridinger, Spuhr eines Hasen (Probedruck mit radierten Berichtigungsdeckblättern)

wurde  dieses  Versehen  durch  gestochene  Berichtigungsdeckblättchen

auf  dünnem  Papier  geheilt .

Und das kann sowohl hinsichtlich der Schrift als auch ganz besonders der in gleicher Weise fortgeführten Untergrundschraffur

nur  von  Ridinger  selbst

vorgenommen sein .

Denn  wie  Vergleich  und  Messungen  zeigen ,

Johann Elias Ridinger, Spuhr eines Hasen (endgültiger, korrigierter Zustand)

handelt es sich bei diesen Deckblättchen zudem eindeutig

um  eigenständige  Textstiche ,

die weder mit der späteren Berichtigung in der Platte noch mit einer Bezeichnung auf einem anderen Blatt der Folge in Deckung zu bringen sind und somit auch nicht etwa von anderer Hand zu späterem Zeitpunkt aus solchen herausgeschnitten sein können.

Im übrigen ohne die im endgültigen Zustand wieder auftauchenden beiden Sternchen zur Kennzeichnung des weichen Bodens.

Das  zweite  Versehen  hier  indes

auch  dem  Meister  selbst  noch  entgangen

und  bislang  in  der  Literatur  nicht  beschrieben :

Johann Elias Ridinger, Spuhr vom Tachse (Vorzeichnung)

Auf Blatt 17, Spuhr vom Tachse, Th. 179, werden – wiederum der Münchner Zeichnung, DJM 5195, folgend – in hiesigem Zustandsdruck die beiden Spuren als

Hinder „Fus“ + Vorder „Fus

Johann Elias Ridinger, Spuhr vom Tachse (Probedruck mit vertauschter Bezeichnung)

bezeichnet. Im endgültigen Zustand dann ist

Fus“ jeweils durch „Lauff

Johann Elias Ridinger, Spuhr vom Tachse (endgültiger, koorigierter Zustand)

ersetzt worden.

Helbing verzeichnet auch dieses Blatt im Probe- wie auch endgültigen Druck, erwähnt aber keine Schriftvariante.

Wie auch für die beiden erwähnten Exemplare jüngerer Zeit weder für Hase und Dachs noch für andere Blätter Schriftvarianten erwähnt wurden. Somit dürften also die Zustandsdrucke in sich nochmals differieren,

die  hiesigen  gehörten  solchermaßen  zu  den  allerfrühesten  Etats .

Zeitlich vorerst nicht einordbar der Titel, der mit einheitlich kleineren Kommata, einem anderen Ornamentabschluß der roten Doppellinie unterhalb der Vignette, insbesondere aber mit seinem höheren Satzspiegel von 37,8 cm gegenüber ca. 35,9-36,7 cm (Toleranzabweichungen technischer Natur) vom Standard drucknumerierter Erstausgaben-Exemplare abweicht. In der zweiten Ausgabe (Weigel B, Helbing 328) ist der Titel einheitlich in Schwarz gedruckt worden, so auch Thienemann Seite 294.

Die hiesigen Zeilenabstände zudem gleichmäßig ausgewogener, was nicht allein dem höheren Satzspiegel geschuldet ist, vielmehr namentlich auch einem sorgfältigeren Einpassen des zweiten Druckdurchgangs.

In ihrer Bewertung stehen die vereinzelten Probedrucke der Jagtbaren Thiere weit vor den nicht so selten auf den Markt kommenden Exemplaren des endgültigen Zustands. So bot Helbing 1900 in seinem 1554 Nummern umfassenden Ridinger-Katalog jene acht Zustandsdrucke  mit  dem  3fachen  des Preises für die endgültigen an. Und auch jenes Exemplar aus den 70ern wurde mit DM 30.000  doppelt  so  hoch  benotet wie ein gleichzeitig angebotenes drucknumeriertes, beide breitrandig.

Der  systematische  Vergleich  der  Ziffern

hiesiger handschriftlicher Numerierung mit Datierungen namentlich der Zeichnungen zu hiesiger Folge als auch mit Daten und Zahlen auf anderen hier im Archiv verfügbaren Zeichnungen verschiedener Schaffensperioden Ridingers führt zu einem Nebeneinander ganz eindeutiger, stark eigentümlicher Zahlen, denen so nicht nachweisbare andere gegenüberstehen, wie in Heft 18 der schriften der ridinger handlung niemeyer im Detail dokumentiert.

Ganz nebenbei könnte dieser Vergleich dem graphologisch Interessierten geradezu zum Anlaß einer Charakteranalyse Ridinger’s dienen, wobei auch in Betracht zu ziehen wäre, daß bereits dem jungen Künstler in der großartigen 1723er Schlüssel-Zeichnung „Alexander der Große am Hyphasis“ die Vanitassymbolik berstender Säulen und gesplitterter Stämme gegenwärtig waren und die ihn schlußendlich kurz vor seinem Ableben zu dem von Thienemann XXI, 4 beschriebenem, nunmehr in Berlin verwahrtem Selbstbildnis mit Tod im Atelier führte (Katalog Darmstadt, Farbabb. 9).

Allein auf den Vergleich der Ziffern gestützt, ließe sich angesichts des einzelnen Zahlen gegenüber ganzen Wörtern oder gar Sätzen ermangelnden Gesamteindruckes für die Eigenhändigkeit noch eine Fehlerquote von etwa 30% unterstellen. Das Hinzutreten der weiteren Indizien – von der 19 besagten Marder-Blattes zu den gestochenen Deckblättern – räumt dann jedoch diesen Restzweifel so überzeugend aus, daß hiesigerseits von einer

originär  Ridinger’schen  Numerierung

ausgegangen wird.

Die Kupfer 1-20 in ihren oberen nahezu Dreivierteln die Tiere in typischer Stellung inmitten ihrer großartigen Umwelt zeigend, darunter die

Spuren  in  Originalgröße ,

nämlich für Bär – HirschTier – Schwein – Dam-Hirsch – Wolf – Rehbock – Luchs – SteinbockGemseHase – Fuchs – BiberOtter – Dachs – KuderMarder + WieselIltis + Eichhörnchen , während die von Löwe und Tiger (recte „vielleicht ein Jaguar“, Th.) als „in unseren Wäldern nicht zu finden“ verjüngt sind.

In Helbings Katalog (XXXIV, 1408) übrigens auch ein allseits wieder in Vergessenheit geratener Hinweis auf ein Zustands-, richtiger wohl Makulatur-Exemplar der Paradies-Folge, deren Rückseiten – wohl mit Ausnahme von drei Blatt – mit Text zu hiesiger Suite bedruckt waren, davon eine bezeichnet mit „Joh. Elias Ridinger, Augsburg A. C. 1738“. Die nur mit 1740er Titel bekannte Folge wäre demnach nicht nur als Lieferungswerk belegt, wie bei Ridinger überdies die Regel gewesen, sondern vor allem als ein von ausführlicherem Text begleitetes. Wenngleich wahrscheinlich, daß es diesbezüglich nie zu mehr als solchen, darum auch nur einseits bedruckten Druckproben gekommen ist, die dann für anderweitige Andrucke verwendet wurden, so überraschen im Ridinger’schen Œuvre immer wieder aufs neue Sammler wie Forscher faszinierende Unikate.

Zugleich stützt dies aber auch die schon vorgetragene Annahme, daß Ridinger nach Vollendung des Werkes den Mangel einer Numerierung als solchen erkannte, vielleicht, weil nunmehr die Buchbinder sich an Hand des nur einen Textblattes nicht zurechtfinden konnten oder wollten.

Wohl für eine bessere Präsentation bei Verwahrung in einer Mappe wurde der Whatman-Bogen für Titel und Kupfer 1 getrennt. Der Titel selbst komplett, wenn auch hart beschnitten und mit leichter Kratzspur (3,5 cm) in der Vignettenmitte sowie montageerledigtem Seiteneinriß von 4,5 cm und gleichmäßig, wie auch Blatt 23, schwach gebräunt. Der durch die Montage zugedeckte Rückseitentext in der Schlußzeile angeschnitten. Die prächtig breitrandigen Whatman-Bögen mit überwiegend nur kleinen Randausbesserungen, nur der letzte mit den Kupfern 22 + 23 stärker rissig. Sonst praktisch bestens und tadellos frisch.

Blatt 7 – Damhirsch – mit den Untertitel berührendem Druckfarbenfleck, Blatt 10 mit kleinem schwarzen Fleck unterhalb der Brust des Luchses. Im übrigen kaum Randstockfleckchen, aber mit noch leichtem Plattenschmutz beim Löwen, Blatt 1. Mithin also generell schon einmal

ungetrübt  kostbar

und damit dem  adäquaten  Sammler  das  elitäre  Stück welches, das der Sammlung aber erst in Gemeinschaft mit der

in  wüstenfarbenen  Grund

eingelassenen  originalen  Platte

ein beispielloses Unikat gewährt.

Daß  diese  vom  Meister  eigenhändig  allein  gearbeitet  ist ,

sei eigens erwähnt, wie denn auch per obiger Signatur dokumentiert. Im übrigen mittels feinen Lackauftrags vor Anlaufen geschützt, ist die Platte im Rahmen ihres altersmäßigen Gebrauchs generell noch druckfähig, gleichwohl wird für ihre schlußendliche Druckqualität keine Gewähr geleistet.

Thematisch darüberhinaus

mit  zudem  einem  bislang  übersehenen  weiteren  i-Punkt .

Denn keinem Geringeren als dem

„ Blauen  Reiter “  Franz  Marc

diente das Marder-Wiesel-Blatt gemeinsam mit zwei weiteren Ridinger-Kupfern als Inspiration für sein malerisches „Spielende Wiesel“ von 1911, Hoberg-Jansen 144 nebst Abbildung.

Als solchermaßen mit Ridinger als Quelle bekannt bislang nur Marc’s Holzschnitt „Reitschule nach Ridinger“ von 1913 (Lankheit 839) als Ausschnitt-Interpretation der Hintergrundfigur des aufsitzenden Reiters des dritten Blattes (Th. 608) der 1722er Reitschule, seitens der Literatur kommentiert mit

„ Aufschlussreich , dass Marc bei seiner sehr vertrauten Kenntnis der Kunstgeschichte

sich gerade diesen Meistern der Pferdedarstellung (Delacroix und Ridinger)

des 19. beziehungsweise 18. Jahrhunderts als Vorbildern zuwendet “

(Christian von Holst, Franz Marc – Pferde, 2003, SS. 166 ff. innert ‚… der Hufschlag meiner Pferde‘).

Doch bereits sein Öl der „Spielende(n) Wiesel“ von 1911, dem die gleichnamige Lithographie aus 1909/10 voranging, verrät die Kenntnis gleich mehrerer Ridinger-Kupfer aus durchaus verschiedenen Folgen. Marc zeigt zwei Wiesel, von denen das aufgebaumte eine, über einen Ast gebeugt, zu dem in aufgerichteter Pose auf der Erde sitzenden herunterschaut. Dabei das Baumwerk von einer Exzentrik, deren er sich in dieser vordergründigen Dichte im malerischen Œuvre nur noch auf den beiden „Akte(n) unter Bäumen“, H.-J. 143, gleichen Jahres bedient. Für die thematische Initialzündung steht Ridinger’s kleinformatiges Blatt „Die Wiesel“ (Th. 479) von 1740 als Blatt 89 der Folge Entwurf einiger Thiere. Auch hier deren spielende zwei, doch beide auf der Erde und in einem in keiner Weise heranziehbaren Umfeld. Letzteres splittete Marc auf. Und holte sich die Pose der beiden Tiere aus dem 86. Blatt der Folge, den beiden Baum-Mardern Th. 476 (zusätzlich hier verfügbar in schönem späteren Kolorit sowie im Pendant mit den beiden Stein-Mardern Th. 475). Deren junger über einem Ast gleich niedriger Höhe wie bei Marc hängt und auf die auf den Hinterpratzen am Baumstamm stehende Mutter schaut, die mit einem erbeuteten Vogel lockt. Dieselbe Situation zeigt „Spilende Eichörnlein“ als Blatt 88 (Th. 478), nur mit dem Unterschied eines weiteren aufgebaumten, doch am Spiel unbeteiligten Tieres. Den auch für Ridinger eher selteneren bizarren Baumwuchs – und als solchen bezeichnet ihn auch ausdrücklich Sälzle in seiner 1980er Edition der Vorzeichnungen anstehender Folge – aber übernahm er vom hiesigen Blatte der „Spuhr eines Marders / Spuhr von der Wiesel“ (Th. 181, hier auch separat aufliegend) bei gleicher Pose des aufgebaumten Marders mit dem indes neutral gezeigten Wiesel auf der Erde.

So konzipierte Marc seine „Spielende(n) Wiesel“ also ebenso an Hand mehrerer Ridinger-Vorlagen, wie letzterer seinerseits seine Watteau’sche „Ergözung der Schäfer“, Th.-Stillfried 1397, aus vier Vorbildern des Franzosen komponierte. Daß Marc schließlich auch der typischere Ridinger’sche Baumschlag nicht fremd war, zeigt die rechte Baumgruppe seines malerischen Waldinneren „Die Würm bei Pipping“ aus 1902/03, H.-J. 15 nebst Abbildung. Aber auch die Par force Szenerie auf dem Aquarell „Schloss Ried“ von 1914 – Holst, Abb. 11, S. 29 – steht für ein weiteres Beispiel der Beschäftigung Marc’s mit Ridinger,

die  in  dieser  Pluralität  bislang  übersehen  worden  ist .

 

Résumé

Die mit spektakulären Neuentdeckungen aufwartende „Lehrbuch“-Suite als einer der „berühmtesten Serien des Künstlers“ (FAZ 14. 10. 1995) im

Johann Elias Ridinger, Johann Elias Ridingers Hand-Exemplar der Abbildung der Jagtbaren Thiere

unikaten  Hand-Exemplar  des  Meisters ,

zusätzlich getrüffelt mit dessen eigenhändiger

originaler  Druck-Platte

zu Tafel 1 der Folge, dem Löwen in seiner Majestät. Und inhaltlich mit zusätzlicher Breitseite per

künstlerischem  Brückenschlag  von  18.  zum  20.  Jahrhundert .

Präsentiert dies alles denn adäquat als

bordeaux-roter  Maroquin-Band

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in  wüstenfarbener  Maroquin-Kassette ,

beides 23,5karätig goldgeprägt. Kurz , das  weltweit  unwiederholbare

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Johann Elias Ridingers Hand-Exemplar seiner Abbildungen der Jagtbaren Thiere

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